« zurück
FC Wil - FC St. Gallen 1:1
Ein Fussballfest mit spätem Höhepunkt
Der FC Wil und der FC St. Gallen trennen sich 1:1 unentschieden.

Das Ostschweizer-Derby zwischen dem FC Wil und dem FC St. Gallen war zwar aus fussballerischer Sicht kein Spektakel, trotzdem wurde es zu einem Fussballfest. Das Bergholz war mit 4800 Fans zum ersten Mal seit der Super League-Zeit ausverkauft und dank Markus Gsells Ausgleichstreffer zum 1:1 in der Schlussphase war auch das Resultat aus Wiler Sicht positiv.
Der Sonntag war wie geschaffen für ein Fussballfest. Schönes Wetter und angenehme Temperaturen sorgten dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmten. Die beiden Fangruppierungen gerieten sich im Stadion nicht in die Quere und Sicherheitschef Marco Gemperle sprach nach der Partie von einem gelungenen Anlass. Die Stimmung – die St. Galler waren quantitativ und akustisch überlegen – erinnerte an die Super League-Zeit zwischen 2002 und 2004.
Weil das Stadion ausverkauft war, mussten die Zuschauer zusammenrücken und der gesperrte Wiler Verteidiger Stipe Matic hatte sich mit einem Platz auf dem Steinboden zu begnügen. Der Kroate wurde auf dem Feld vertreten durch Marko Muslin, der in der Innenverteidigung solide Arbeit verrichtete. Der Bergholz-Klub liess in der ersten Halbzeit wenig zu. Nur bei stehenden Bällen der Gäste wurde es gefährlich. Diese Aktionen hatten es aber in sich. Zuerst traf Philipp Muntwiler mit einem Kopfball die Latte (17.), nach gut einer halben Stunde war eben dieser ehemalige Wiler für die Führung der Gäste verantwortlich. Nach einem Freistoss von Marco Hämmerli – ebenfalls ein ehemaliger Äbtestädter – stiessen Muslin und der Wiler Torhüter Davide Taini zusammen. Muntwiler erbte und traf zum 1:0 für die Gallusstädter.
Grossklaus mit dem Matchball
Wer nun dachte, der Bann sei für Grünweiss gebrochen, der sah sich getäuscht. Zwar hatten die St. Galler in der zweiten Halbzeit die klareren Möglichkeiten, zu einem weiteren Tor reichte es ihnen aber nicht. Zé Vitor scheiterte mit einem Schuss am Pfosten (68.) und Moreno Costanzo konnte mit seinem Kopfball Taini nicht bezwingen (83.). So blieben die Wiler im Spiel und taten das, was sie in den drei vorangegangenen Spielen immer getan hatten: sie erzielten in der Schlussphase einen Treffer. Nach einer Flanke von Naim Haziri segelte der Ball an Freund und Feind vorbei. Markus Gsell, der ehemalige St. Galler, erbte und traf zum viel umjubelten Ausgleich. Und beinahe wäre den Wilern gar noch der Siegtreffer geglückt. In der letzten Minute fiel der Ball vor die Füsse des eingewechselten Tim Grossklaus’. Die deutsche Leihgabe des FC Vaduz sah seinen Schuss jedoch von einem Bein eines St. Galler abgewehrt. Ein Sieg wäre für die Wiler aber doch des Guten zuviel gewesen.
„Eine sensationelle Stimmung“
Somit ist der FC Wil der einzige Verein in der Challenge League, der in dieser Saison vom derzeitigen Tabellenführer nicht besiegt wurde. Gäste-Trainer Uli Forte musste nach dem Spiel Klartext reden: „Wir waren in der zweiten Halbzeit zu passiv und haben uns einlullen lassen. Der Weg zum Aufstieg ist noch steinig.“ Für die Heimmannschaft gab es Lob von Forte: „In Wil darf man 1:1 spielen. Sie haben nicht ohne Grund die zweitbeste Abwehr der Liga.“
Zufrieden zeigte sich Didi Münstermann, der Trainer des Bergholz-Klubs: „Dass wir zum vierten Mal hintereinander in der Schlussphase ein Tor erzielt haben, zeugt von Qualität. In der Vorrunde wäre uns das nicht geglückt.“ Zum Ambiente sagte Münstermann: „Die ganze Region kam heute nach Wil. Es war eine sensationelle Stimmung.“ Somit bleiben im Jahr 2009 folgende Statistiken aufrecht: Die Wiler sind vor eigenem Anhang weiter unbesiegt und warten auch nach elf Spielen weiterhin auf die zweite Niederlage seit dem Jahreswechsel.

FC Wil 1900 – FC St. Gallen 1:1 (0:1)
Bergholz: 4800 Zuschauer (ausverkauft). – Sr: Graf.
Tore: 33. Muntwiler 0:1. 86. Gsell 1:1.
FC Wil 1900: Taini; Haziri (87. Bolay), Madry, Muslin, Huber; Lezcano, Sarr, Franjic (46. Kaiser), Gsell, Akdemir (66. Grossklaus); Silvio.
FC St. Gallen: Lopar; Zellweger, Garat, Schenkel, Fernando; Zé Vitor, Kollar, Muntwiler, Hämmerli (86. Dado); Costanzo (84. Weller), Merenda (76. Caceres).
Bemerkungen: Wil ohne Matic (gesperrt). St. Gallen ohne Haas, Jagne, Tachie-Mensah, Knöpfel, Koubsky und Winter (verletzt). 17. Lattenkopfball Muntwiler. 68. Pfostenschuss Zé Vitor. 87. Haziri mit Krampferscheinungen ausgewechselt. Verwarnungen: 45. Kollar (Foul). 72. Lezcano (Reklamieren, im nächsten Spiel gesperrt).

Salsa-Power

Bereits von Beginn an setzten die Äbtestädter den Gegner unter Druck.

Anton Franjic kehrte nach seiner Verletzungspause in die Mannschaft zurück.

Der Ex-St. Galler Markus Gsell war mit seinem Treffer in der 86. Minute der Held des Tages.

Auch ohne dem gesperrten Captain Stipe Matic stand die Wiler Abwehr kompakt.

Dario Lezcano sah gegen St. Gallen seine vierte Verwarnung und wird in Yverdon fehlen.

Neuzugang Sally Sarr spielte 90 Minuten durch und zeigte eine bemerkenswerte Leistung.

Silvio spielte bis zur Einwechslung von Tim Grossklaus als einzige Sturmspitze.

Der Zusammenstoss zwischen Davide Taini und Marko Muslin führte zum 1:0-Führungstreffer für die St. Galler.

Für Fairplay im Sport: St. Gallens Trainer Uli Forte (links) und Wils Didi Münstermann.
Bericht: Simon Dudle
Bilder: Deborah Rutz