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Licht und Schatten

Mit dieser Wendung hatten wohl nicht einmal die Tessiner mehr gerechnet. Der FC Wil führte bei Halbzeit gegen die AC Lugano 2:0 und hatte nach der roten Karte gegen Yvan Bolay einen Mann mehr auf dem Feld. Trotzdem resultierte nur ein mageres 2:2.

Das Ambiente war trist am Samstag-Vorabend im Wiler Bergholz. Es hatte praktisch den ganzen Tag geregnet, so dass sich ganze 610 Fans durchringen konnten, das Heimspiel des FC Wil gegen die AC Lugano zu besuchen. Im Fansektor des FC Wil standen 18 Personen und die heissblütigen Tifosi – einige schauten sich das Spiel „Oben ohne“ an – nisteten sich beim gedeckten Bierstand ein.

Das Bergholz-Team wollte vorerst jedoch nichts von dieser Tristesse wissen und spielte erfrischenden Fussball. Der Führungstreffer zeichnete sich ab und fiel nach knapp 24 Minuten. Ifet Taljevic sah seinen Fallrückzieher zwar von Lugano-Schlussmann Giovanni Proietti pariert, dafür erzielte Kristian Nushi im Nachschuss seinen achten Treffer in dieser Saison. Ob GC-Sportchef Erich Vogel seinetwegen auf der Tribüne gesessen hat?

Auf die gleiche Summe an Toren kommt nun auch Taljevic. Zehn Minuten vor der Pause traf der Deutsche zum 2:0 und zementierte seine Torgefährlichkeit. Das Spiel schien frühzeitig entschieden. Lugano-Verteidiger Yvan Bolay musste nach einem Stinkfinger gegen Schiedsrichter Reto Johann frühzeitig unter die Dusche (41.).

Lugano zu Zehnt besser

Diese rote Karte dürfte im Endeffekt der Knackpunkt der Partie gewesen sein. Denn die Wiler Spieler machten sich in der Folge einen gemütlichen Abend und bauten somit Gegner Lugano auf. Obwohl die Tessiner nur noch zu Zehnt waren, kamen sie stärker auf und erspielten sich Möglichkeiten. Michael Perrier (69.) und Luiz Fernando Rodrigues (75.) vergaben zwar ihre Chancen, zwei Innenverteidiger sollten es aber binnen vier Minuten für die Luganesi richten. Zuerst drückte Marco Lodigiani aus kurzer Distanz einen Ball in die Maschen (76.), beim Ausgleich wurde Dario Rota am hinteren Pfosten vergessen (80.).

Es war für die Wiler eine Faust aufs Auge, die sich abgezeichnet hatte. Zu wenig überzeugend trat das Heimteam nach der Pause auf und zu wenig schlugen sie aus der Überzahl heraus.

Eine gute Halbzeit genügt nicht

Nach dem Ausgleich erwachte der FC Wil noch einmal und drückte auf den Siegestreffer. Einwechselspieler Luca Dimita hatte genau so eine gute Chance wie Dominique Longo, sie blieben aber erfolglos. Auch Kristian Nushi erging es nicht besser. Dieser sah seinen Schuss auf der Linie von einem Lugano-Verteidiger per Kopf in den Corner geklärt.

So hatten sich die Fürstenländer mit einem mageren Pünktchen zu begnügen. Sie mussten sich von ihrem Trainer in der Garderobe sagen lassen, dass eine gute Halbzeit nicht genügt. Uli Forte resümierte im Spielergang: „Dieser Ausgleich war völlig unnötig. Im Anschluss an eine sehr gute erste Halbzeit haben wir nach der Pause den Gegner aufkommen lassen.“

Der FC Wil hat ein fast schon historisches Kunststück erbracht: Zum zweiten Mal in sechs Tagen kassierten die Äbtestädter in Überzahl zwei Tore. Aber schon am Mittwoch beim Gastspiel in Baulmes ist die Möglichkeit zur Rehabilitation geboten.

FC Wil 1900 – AC Lugano 2:2 (2:0)

Bergholz: 610 Zuschauer. – Sr: Johann

Tore: 24. K. Nushi 1:0, 35. Taljevic 2:0, 76. Lodigiani 2:1, 80. Rota 2:2.

FC Wil 1900: Taini; Schenkel, Longo, Matic, De Donno; A. Nushi, Taljevic (72. Haziri), Gsell, K. Nushi; Maliqi (46. Dimita), Sabanovic (82. Silvio).

AC Lugano: Proietti; Bolay, Rota, Lodigiani, Croci-Torti; Boughanem (46. Dianda), Mollard (70. Sulmoni), Tarchini (60. Perrier), Bressan; Rodrigues, Silvera.

Bemerkungen: Wil ohne Salifou, Mica und Meier (verletzt). Lugano ohne Magro, Elia (gesperrt) und Sucic (verletzt). Platzverweis: 41. Bolay (grobe Unsportlichkeit). Verwarnungen: 54. Longo (Foul), 60. Dianda (Foul). 55. Lattenkopfball Sabanovic.

Spielbericht: Simon Dudle